"schleppend", Farbfotografie, 2008

untragbar

Fotografie, Zeichnungen, Objekte von Eva Koslowski

Ausstellung: 6. bis 15. März 2009

Ein Nachthemd erlebt eine Verschmelzung mit zwei Paar Strumpfhosen, ein Schal wird mit einem Paar Ärmeln bestückt, doch das Versprechen ein T-Shirt zu sein kann er nicht einlösen.

Eva Koslowski verarbeitet gewöhnliche Kleidungsstücke zu kaum tragbaren Objekten. Unter einschränkenden oder ganz unmöglichen Bedingungen versucht sie wiederum, den Objekten die ursprüngliche Funktion des Ausgangsmaterials zu übertragen. Der Widerstand der Objekte zwingt die Künstlerin, eigene Überlebensstrategien zu entwickeln. Dieser Prozess gleicht einem Kampf zwischen der Künstlerin und ihren Objekten, wird zum Ausdruck ihrer Notwendigkeit.

"Als Künstlerin habe ich nur Skulpturen im Schrank." Eva Koslowski

Eva Koslowski geb. 1970 in Polen studierte 1996 bis 2003 an der HfBK Hamburg bei Prof. Bogomir Ecker u. Nicola Torke.

Website: www.ekosart.de

Ausstellungen (Auswahl):

  • 1998 „Körperwelten“ Marienkrankenhaus, Hamburg
  • 1999 „Emergency – Dialoge zum Ausnahmezustand“ eh. Hafenkrankenhaus, Hamburg
  • 1999 „In between“ Fundbureau e.V, Hamburg
  • 2001 „Re Mir“ Borrey Art Gallery, St. Petersburg
  • 2001 „Re Mir 2” Art Agents Galerie, Hamburg
  • 2002 „Der Goldene Schnitt“ Salon Beige, Berlin
  • 2003 „Textilräume“ Atelier in den Kasematten, Hamburg
  • 2004 Wettbewerb „Neugestaltung des Spielbudenplatzes“ Hamburg
  • 2007 „Laden 4“ Galerie KIM, Hamburg
  • 2008 "Anonyme Zeichner" Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin

Fotos der Ausstellung

Fotos der Vernissage

Die Kunst ist ein riesiger Kleiderschrank.

Was ziehe ich an?

Wer kennt das nicht, das Gefühl nichts zum Anziehen im Kleiderschrank zu haben, obwohl er aus den Nähten platzt und sich nur mit Gewalt zumachen lässt? Gerade dann, wenn man eine Einladung zum Geburtstag, einer Grillparty bekommen hat oder einfach ins Kino gehen will, verwandeln sich alle guten Kleidungsstücke, die man noch letzte Woche mit Begeisterung sein eigen nennen durfte, wie von Geisterhand in unbrauchbare, unpassende, abgenutzte Klamotten, die man schon tausend Mal anhatte. Die Verzweiflung macht sich breit. Vielleicht lassen sich Teile neu kombinieren?

Und so wühlt man in der Dunkelheit, arbeitet sich vor, Schicht für Schicht in den unendlichen Tiefen des unersättlichen Monsters. Das eine oder andere Teil wird nicht mal für Sekunden das Tageslicht erblicken. Schon bei der ersten Berührung mit der abtastenden Hand wird das Urteil gefällt: Weitere drei Monate Dunkelheit. Nicht selten aber erlebt man eine Überraschung, irgendetwas gefunden zu haben, was man bisher noch nicht kannte. Sichtlich aufgeregt und voller Erwartung holt man das unbekannte Kleidungsstück heraus, um es zu begutachten. Schmerzlich jedoch ist die Feststellung, das es wohl bekannt ist, doch vergessen wurde. Es ist aber nicht abwegig, dass man auf diese Weise zerknitterte Juwelen findet, an deren Glanz noch gearbeitet werden muss. Wenn die Hoffnung zum Leben erwacht, beginnen die Wiederbelebungsversuche. Es wird gewaschen und gebügelt. Nun ist es bereit, sich in Form ziehen zu lassen und sich mit dem Körper zu schmücken. Jetzt ist die Zeit gekommen. Eine Modenschau vor dem ungetrübten Blick des Spiegels. Und das Teil sitzt nicht richtig. Falls es aber wider Erwarten sitzt, dann zwickt es in den Achseln.

Es wird in die Vertikale oder Horizontale gedehnt, weil der Körper mehr Platz zu brauchen scheint, als das Kleidungsstück zur Verfügung gestellt hat. Wenn aber diese Maßnahmen zu keinem Ergebnis führen und sich das Kleidungsstück gegen jegliche Versuche der Formveränderung sperrt, tritt Plan B in Kraft. Es werden Körperverrenkungen gemacht, damit wenigstens das Kleidungsstück gut aussieht. Der Platzanspruch der Bauchregion wird qualvoll zurückgenommen. Unter Zuhilfenahme fester Materialien wird das Beckenvolumen dem Platzangebot angepasst. Es werden Posen einstudiert, die der Körper einnehmen darf, damit sich das gute Stück entfalten kann.

Wenn aber auch der Körper sich dagegen wehrt, eine Symbiose mit dem ausgewählten Teil einzugehen, wenn er plötzlich mit Ohnmacht, Krämpfen oder Gleichgewichtsstörungen reagiert, bleibt nichts anderes übrig, als auf die Uhr zu gucken, schnellstens eine Boutique aufzusuchen und das Prozedere mit einem nagelneuen, unbekannten, aufregenden Kleidungsstück zu wiederholen. Dieser Schritt wird meistens von Erfolg gekrönt, bringt Erleichterung und Freude darüber, dass man die Kleiderfrage diesmal überlebt und endlich im Kleiderschrank etwas zum Anziehen hat.

Als Künstlerin habe ich nur Skulpturen im Schrank.
Eva Koslowski